Grundlagen zum Verständnis von Tinnitus
Es pfeift in meinem Ohr: Was ist Tinnitus? Gibt es Hilfe?
Tinnitus ist ein medizinischer Fachausdruck (von lateinisch „tinnire“ = klingen) und
umfasst Arten von Ohr- und Kopfgeräuschen, die nicht durch von außen auftretende Schallwellen erklärt werden können. Früher hatte man die Kopfgeräusche nicht zu den eigentlichen Tinnitus-Formen gerechnet. Heute jedoch weiß man,
dass diese Unterscheidung nicht berechtigt ist.
Nur wenige Arten von Tinnitus können mit geeigneten Mitteln von außen mitgehört werden. Man hat sie als Körpergeräusche (auch objektiver Tinnitus genannt) von den vielen häufigeren, nicht mithörbaren Formen (subjektiver Tinnitus) abgegrenzt.
Tinnitus ist eine Funktionsstörung und keine Krankheit im eigentlichen Sinn, aber er kann krank machen.
Er ist sogar eine zweifache Funktionsstörung: Einerseits ist eine Störung im Hörsystem vom Ohr bis zu den Hörbahnen –und zentren im Gehirn, andererseits stört er als dauernder Begleiter auch die Lebensqualität seines Trägers. Medizinisch gesehen harmlos, können Ohrgeräusche sehr quälende Auswirkungen haben. Manche Betroffene finden ihr Leben nicht mehr lebenswert.
Alle an Tinnitus Leidenden wären ihre Geräusche gerne los, aber die Mehrzahl kann mit ihnen leben – oder hat dies nach einer anfänglichen Krise gelernt. Das sollte auch jenen Hoffnung geben, die ihre Ohrgeräusche nicht ertragen können und keinen Ausweg sehen.
Der Leidensdruck ist also sehr unterschiedlich. Dementsprechend brauchen nicht alle Betroffenen gleich viel Hilfe.
Tinnitus ist aber eine häufige Störung. Umfangreiche Befragungen in verschiedenen Ländern haben gezeigt,
dass etwa jeder fünfzehnte Ohrgeräusche verspürt, etwa jeder fünfzehnte deswegen ärztliche Hilfe sucht und jeder zwanzigste schwer beeinträchtigt ist. 1-2 % machen jene Tinnitus-Betroffene aus, die dekompensieren, d.h. wegen ihrer Ohrgeräusche kein uneingeschränkt normales Leben mehr führen können.
In den meisten Fällen ist Tinnitus nicht von außen mithörbar. Man ist also auf ihre Beschreibung des Betroffenen angewiesen, was oft Mühe bereitet – Tinnitus ist schlecht in Worte zu fassen. Schon die Angabe der Lokalisation (im ganzen Kopf, im linken oder rechten Ohr?) ist schwierig.
Versuchen Sie trotzdem, sich über den Ort, wo ihr Geräusch oder ihre Geräusche auftreten, möglichst klar zu werden. Sie werden auch Mühe haben, Ihren Trinnitus genau zu beschreiben. Ist es ein reiner Ton oder ein Geräusch ? Aus Ihrer Beschreibung, mag sie auch hilflos erscheinen, können sie wichtige Hinweise für die Abklärung ergeben. Vor allem interessiert, ob sich ein hoch- oder tieffrequentes Geräusch hören, ob es konstant ist oder in seiner Qualität wechselt, ob es rhythmisch ist und eventuell sogar mit dem Pulsschlag übereinstimmt. Auch aus der Angabe, ob der Tinnitus plötzlich, von einer Minute auf die andere, oder ob er allmählich entstanden ist, können wichtige Rückschlüsse gezogen werden.
Weil Tinnitus meistens nicht von außen mitgehört werden kann, ist er objektiv nicht nachweisbar und auch nicht
messbar. Das ist für viele Betroffene ein großes Problem. Es ist nicht leicht an etwas zu leiden, das man nicht sehen oder in Zahlen oder in Form einer Kurve zu Papier bringen kann. Viele Betroffene stoßen deshalb auf Unverständnis von seiten ihrer Umgebung. Das dies die Ohrgeräusche noch schwerer ertragen läßt, ist leicht einzusehen.
Kein Tinnitus klingt wie der andere. Er kann aus mehreren Tönen und Geräuschen zusammengesetzt sein. Er kann in beiden Ohren gleich klingen, er kann aber auch auf beiden Seiten ganz verschiedene Klangqualitäten haben. Besonders belastend sind Geräusche, die sich dauernd ändern, aus unerklärlichen Gründen plötzlich aufjaulen und danach wieder abflauen.
Weil kein Tinnitus dem anderen gleicht, ist Ihr Tinnitus etwas Einmaliges, Individuelles. Er ist einmalig in der Art, wie er klingt, er ist auch einmalig, weil Sie als Person einmalig sind, und er kann losgelöst von seinem – unfreiwilligen – „Besitzer“ betrachtet werden.
Aus dieser Tatsache lässt sich ableiten, dass es kein schematisches Vorgehen für alle Betroffenen geben kann. Jeder Trinnitus bietet sein eigenes und individuelles Problemspektrum.
Dieses Training hilft ihnen, ihr persönliches Problemspektrum besser zu erkennen und ihren individuellen Weg der Linderung der Ohrgeräusche zu finden.